Agentur-Playbook: White-Label-CSS-Partner einrichten und Kunden verwalten
Mit einem White-Label-CSS kannst du dein Shopping-Angebot unter eigener Marke erweitern und wiederkehrende Einnahmen aufbauen. Damit daraus ein rentabler Agenturservice wird, brauchst du einen passenden Technikpartner, einen klaren Einrichtungsprozess und eine Kundenverwaltung, die auch bei wachsender Kundenzahl funktioniert.
Dieses Playbook führt dich von der Auswahl des Partners bis zur laufenden Betreuung.
1. Definiere zuerst, was du deinen Kunden anbietest
Bei einem White-Label-CSS stellt ein Anbieter die vereinbarte technische Infrastruktur bereit, während du das Angebot unter deiner Marke vermarktest. Welche Aufgaben der Partner übernimmt, hängt vom Vertrag ab: Preisvergleichsportal, Einrichtung, Hosting, Händleranbindung, Support und Reporting können unterschiedlich verteilt sein.
Lege deshalb vor der Anbietersuche fest, wie CSS in dein Geschäftsmodell passt.
| Angebotsmodell | Leistung für den Kunden | Abrechnung |
|---|---|---|
| Eigenständiger CSS-Service | CSS-Anbindung und vereinbarter Basissupport | Monatliche Gebühr |
| Bestandteil der Ads-Betreuung | CSS zusätzlich zum Kampagnenmanagement | Im Retainer enthalten oder separat |
| Shopping-Servicepaket | CSS, Feed-Betreuung und regelmäßige Optimierung | Monatlicher Paketpreis |
Die Entscheidung beeinflusst deinen Aufwand. Wer ausschließlich eine CSS-Anbindung verkauft, sollte festlegen, ob die Behebung von Produktfehlern dazugehört. Sonst wird aus einer kleinen Monatsgebühr schnell eine umfangreiche Betreuung.
2. Prüfe den Partner anhand deines Betriebsmodells
Ein niedriger Einkaufspreis hilft wenig, wenn jede Kundenanbindung mehrere Abstimmungen braucht. Lass dir vor Vertragsabschluss zeigen, wie ein neuer Kunde aufgenommen wird, wie du den Status prüfst und wie ein Problem eskaliert wird.
Kläre insbesondere:
- Marke und Domain: Welche eigene Domain und welcher CSS-Anzeigename werden eingerichtet? Wo erscheint weiterhin der technische Anbieter?
- Leistungsumfang: Wer betreibt das Portal, aktualisiert Produktdaten und betreut technische Störungen?
- Kundenverwaltung: Arbeitest du im CSS Center, in einem Partnerdashboard oder über den Support?
- Kosten: Wird pro Händlerkonto, MCA, Shop oder Domain abgerechnet? Gibt es Mindestmengen und Zusatzkosten?
- Support: Wer ist erreichbar, wie schnell wird reagiert und wer kommuniziert mit Google?
- Ausstieg: Was passiert mit Domain, Daten und Händleranbindungen bei Vertragsende?
Lass dir die Abrechnung an deinem tatsächlichen Kundenbestand vorrechnen. Zehn Shops mit jeweils einem Konto können anders behandelt werden als ein Händler mit mehreren Unterkonten.
3. Richte die eigene CSS-Marke ein
Bereite ein vollständiges Einrichtungspaket vor: gewünschter Name, Domain, Logo, Unternehmensdaten, Ansprechpartner, Supportadresse und geplante Zielländer. Stimme mit dem Anbieter ab, welche DNS-Einträge nötig sind und wer sie setzt.
Eine eigene Domain sollte möglichst in einem von deiner Agentur kontrollierten Domainkonto liegen. Für Support und Systemmeldungen empfiehlt sich eine zentrale Adresse wie css@deine-agentur.de, deren Eingang mehrere zuständige Personen bearbeiten können.
Zum Setup gehört ein funktionsfähiges Preisvergleichsportal. Google verlangt unter anderem Produktsuche, Vergleichsmöglichkeiten und Sortier- beziehungsweise Filterfunktionen. Für jedes Teilnahmeland müssen Angebote von mindestens 50 verschiedenen Händlerdomains vorhanden sein, deren Händler in dieses Land liefern. Das bedeutet nicht, dass deine Agentur bereits 50 zahlende CSS-Kunden benötigt. Entscheidend sind die auf dem Portal verfügbaren Händlerangebote. Kläre mit dem Partner, wie er diese Anforderungen dauerhaft erfüllt. Google: Anforderungen an Preisvergleichsportale
Trenne die technische Fertigstellung von der Google-Freischaltung. Eine erreichbare Website allein bedeutet noch nicht, dass du Kunden darüber betreuen kannst.
Für eine neue CSS-Einrichtung beschreibt Google einen Registrierungsprozess mit einem neuen Merchant-Center-Konto, Domainverifizierung und anschließender Anmeldung zur Umwandlung in ein CSS-Mehrfachkundenkonto. Bei White Label solltest du vorher festlegen, welche Schritte dein Anbieter übernimmt und welche Angaben oder Freigaben er von dir benötigt. Erstelle zusätzliche Konten erst nach dieser Abstimmung. Google: Erste Schritte als CSS
4. Lege Kontostruktur und Zugriffsrechte fest
Drei Systeme haben unterschiedliche Aufgaben:
| System | Aufgabe |
|---|---|
| CSS Center | CSS-Domains und zugeordnete Händler verwalten |
| Merchant Center | Produktdaten und deren Verarbeitungsstatus verwalten |
| Google Ads | Kampagnen, Budgets und Gebote steuern |
Eine CSS-Gruppe kann mehrere CSS-Domains umfassen. Einer CSS-Domain lassen sich wiederum mehrere Händlerkonten zuordnen. Neben dem primären CSS-Mehrfachkundenkonto sind auch eigenständige Händlerkonten und weitere MCA-Strukturen möglich. Nicht jeder Kunde muss deshalb in ein neu angelegtes Agentur-Unterkonto umziehen. Google: Kontotypen im CSS Center
Vereinbare für jeden Kunden die gewünschte Struktur vor dem Wechsel. Besonders bei bestehenden Mehrfachkundenkonten sollte klar sein, ob nur die CSS-Zuordnung oder auch die Kontohierarchie verändert werden soll.
Empfehlenswert ist, dass der Kunde einen eigenen administrativen Zugang behält. Vergib persönliche Nutzerzugänge statt geteilter Passwörter und dokumentiere, wer welche Aufgaben übernimmt. Die Freigabe eines CSS-Wechsels und zusätzliche Zugriffe für Feedpflege oder Kampagnenmanagement sind getrennt zu behandeln.
5. Standardisiere das Kunden-Onboarding
Erstelle ein kurzes Formular, das dein Team bei jeder Anbindung verwendet. Es sollte mindestens folgende Angaben enthalten:
- Shopname, Domain und Ansprechpartner
- Merchant-Center-ID und bisheriger CSS
- Bestehende MCA-Zugehörigkeit
- Zuständiger Merchant-Center-Administrator
- Zielländer und genutzte Ausspielungsflächen
- Produktdatenquelle und technischer Ansprechpartner
- Gewünschter Starttermin und gebuchter Leistungsumfang
Prüfe vor allem internationale Konten genauer. Der neue CSS muss die benötigten Ausspielungen unterstützen, etwa außerhalb der allgemeinen Google-Suche und außerhalb der CSS-Programmländer. Auch kostenlose Produkteinträge gehören in diese Prüfung. Google: Zusammenarbeit mit Preisvergleichsportalen
Halte vor dem Wechsel den Zustand des Kontos fest: aktive Produkte, vorhandene Ablehnungen, Feedprobleme und aktuelle Kampagnenentwicklung. So kann dein Team später erkennen, welche Auffälligkeiten bereits vorher bestanden.
6. Führe den CSS-Wechsel kontrolliert durch
Wenn das vorhandene Merchant Center weiterverwendet werden soll, läuft der Wechsel grundsätzlich so ab:
- 1Der Händler bestätigt, dass er mit dem neuen CSS zusammenarbeiten möchte.
- 2Ein Administrator des neuen CSS startet die Wechselanfrage mit der Merchant-Center-ID.
- 3Ein Administrator des Händlerkontos genehmigt die Anfrage im Merchant Center.
- 4Nach der vorgesehenen Übergangsfrist wird die neue Zuordnung wirksam.
Google nennt eine Übergangsfrist von bis zu 14 Tagen nach der Genehmigung. Der bisherige CSS kann diese verkürzen oder darauf verzichten. Plane den Starttermin deshalb anhand des tatsächlichen Wechselstatus. Im CSS Center lässt sich der Vorgang über die Wechselhistorie verfolgen. Google: Händlerkonten zwischen CSS wechseln
Das Google-Ads-Konto muss für einen CSS-Wechsel nicht übertragen werden. Maßgeblich ist die Zuordnung des Merchant Centers. Ein Merchant-Center-Konto kann jeweils einem CSS zugeordnet sein. Google: Zusammenarbeit mit Preisvergleichsportalen
Vermeide es, gleichzeitig den Feed umzubauen und die Gebotsstrategie zu ändern. Ein klar abgegrenzter Wechsel erleichtert die Kontrolle und die Fehlersuche.
7. Schließe jede Anbindung mit einer Abnahme ab
Eine bestätigte Wechselanfrage ist noch kein abgeschlossener Kundenauftrag. Prüfe nach dem wirksamen Wechsel, ob:
- die vorgesehene CSS-Zuordnung besteht,
- Produktdaten weiterhin aktualisiert werden,
- die benötigten Produkte freigegeben sind,
- Kampagnen weiterhin ausgeliefert werden,
- Länder und Ausspielungsflächen wie vorgesehen funktionieren,
- Kunde und Agentur die vereinbarten Zugriffe haben.
Informiere den Kunden anschließend kurz über Abschluss, Prüfergebnis und Ansprechpartner. Dokumentiere offene Punkte mit Verantwortlichem und Termin.
Versprich dabei keine pauschale Verbesserung der Kampagnenergebnisse. Beurteile die Entwicklung anhand vergleichbarer Zeiträume und berücksichtige Budgetänderungen, Aktionen, Sortiment und Saisonalität.
8. Verwalte Kunden mit einer gemeinsamen Übersicht
Für den Einstieg reicht eine gepflegte Tabelle oder ein CRM. Entscheidend ist, dass Kundenstatus, technische Zuordnung und Abrechnung zusammenpassen.
Führe pro Kunde Merchant-Center-ID, CSS-Domain, Ansprechpartner, zuständigen Account Manager, Wechselstatus, Aktivierungsdatum, Einkaufspreis, Verkaufspreis und nächsten Prüftermin.
Bewährt hat sich ein einheitlicher Statusablauf:
Ergänze für offene Vorgänge immer die nächste konkrete Aktion. „Freigabe fehlt – Account Manager erinnert Kunden am Donnerstag“ ist hilfreicher als ein allgemeiner Status „in Bearbeitung“.
Plane eine wöchentliche Kontrolle offener Anbindungen und technischer Probleme. Gleiche monatlich die aktiven Konten mit Lieferanten- und Kundenabrechnung ab. So fallen vergessene Kündigungen und noch nicht berechnete Aktivierungen früh auf.
9. Kalkuliere mit Betreuungsaufwand
Die Differenz zwischen Einkauf und Verkauf ist noch nicht dein Gewinn. Berücksichtige Einrichtung, Rückfragen, Rechnungsstellung und technische Unterstützung.
Ein vereinfachtes Rechenbeispiel mit frei gewählten Nettobeträgen: Du berechnest 49 Euro monatlich und zahlst dem Partner 19 Euro pro Kundenkonto. Bei 20 Konten bleiben zunächst 600 Euro monatlich. Benötigt jedes Konto durchschnittlich 15 Minuten Betreuung, entstehen fünf Arbeitsstunden. Bei intern angesetzten 60 Euro je Stunde bleiben 300 Euro vor weiteren Kosten.
Definiere deshalb, welche Unterstützung enthalten ist und wann zusätzliche Leistungen berechnet werden. Ein wirtschaftlich tragfähiger Service braucht einen klaren Leistungsumfang.
10. Plane auch den Kundenabgang
Lege bereits beim Onboarding fest, wie eine Kündigung bearbeitet wird. Dokumentiere Vertragsende, gewünschten Ziel-CSS, Ansprechpartner und den Zeitpunkt, an dem zusätzliche Agenturzugriffe entfernt werden.
Ein CSS-Service lässt sich beenden, ohne das Merchant Center zu löschen. Google beschreibt sowohl Wechsel zu anderen CSS als auch eine Rückführung zu Google Shopping nach Zustimmung eines Merchant-Center-Administrators. Google: Händlerkonten zwischen CSS wechseln
Beginne mit wenigen Pilotkunden und dokumentiere jeden Arbeitsschritt. Sobald Einrichtung, Freigaben, Abnahme und Abrechnung zuverlässig funktionieren, kannst du weitere Kunden nach demselben Ablauf anbinden. So wird dein White-Label-CSS zu einem planbaren Agenturangebot, das sich mit überschaubarem Aufwand betreuen und ausbauen lässt.
